Reference Data Center, WM’s VF1-Feed Processing 5/5 (2)

Ausgangssituation

Wertpapier-Stammdaten bilden das Fundament der Banken- und Börsen-Systemlandschaft und werden in unternehmensproprietären Reference Data Center verwaltet, insbesondere auf Basis von VF1-Daten der Wertpapier Mitteilungen.

Stammdaten haben maßgeblichen Einfluss auf alle Bereiche der Prozesskette der Finanzindustrie:

  • Stammdaten eines Wertpapiers beschreiben das Wesen des verbrieften Rechts, eignen sich zur eindeutigen Identifikation, definieren die Laufzeit, verschiedene Abrechnungswährungen, regelmäßige Zahlungen wie bspw. Koupon-Zahlungen etc.
  • Es gibt Stammdaten, die den Handel von Wertpapieren an verschiedenen Handelsplätzen spezifizieren.
  • Weitere Stammdaten existieren zu Emittenten, die Wertpapiere begeben oder als andere Marktteilnehmer am Finanzmarkt auftreten.
  • Corporate Actions beeinflussen v.a. die Abwicklung, die Verwahrung und den Handel von Wertpapieren und stellen im weiteren Sinne auch Stammdaten dar.

Alle in Deutschland handelbaren und zur Abwicklung zugelassenen Wertpapiere werden von Wertpapier Mitteilungen GmbH (WM) zentral gepflegt; WM ist offizielle Numbering Agency und verantwortlich für die Vergabe der ISIN.

WM agiert des Weiteren als Datenvendor und stellt die in ca. 1500 Feldern angelegten Stammdaten über diverse Medien, u.a. dem meistverwendeten VF1-Datenträger zur Verfügung.

Nicht immer passen aber die WM-Stammdaten zu den Bank- und Börsen-internen Verarbeitungsprozessen, so dass i.d.R. jeder Abnehmer dieser Daten weitere Quellen anbindet, vergleicht und eine jeweilige eigene Golden Copy zu den Stammdaten erzeugt.

Aufgabenstellung

  • Es soll ein generalisierter Ansatz zur Stammdatenverarbeitung als eine klassische Master Data Management Applikation „Reference Data Center“ (RDC) erstellt werden.
  • Neben dem WM-VF1-Datenhaushalt soll Reference Data Center die Möglichkeit zur Anbindung weiterer Quellen bieten, u.a. sollen Stammdaten auf Basis von Bloombergs Data License Program akquiriert werden.
  • Es soll ein möglichst generischer Abnahmeprozess des semi-strukturierten Legacy-Formats des VF1-Feeds erstellt werden, der die Wartungskosten aufgrund der regelmäßigen WM-Releases und –Änderungsdienste minimiert.
  • Die potentiell konkurrierenden Quellen, die in die Reference Data Center-Applikation geladen werden, sollen möglichst automatisch zur einer Golden Copy zusammgeführt werden. Der Prozess soll jederzeit nachvollziehbar und überstimmbar sein.
  • Konsolidierungskonflikte sollen über ein User Interface einem Data Steward vorgelegt werden, der für eine finale und auf Basis eines Vier-Augen-Prinzips abgesicherte Golden Copy sorgt.

Lösung –

Reference Data Center, WM’s VF1-Feed Processing

  • Automatische Integration der WM VF1-Dokumentation, die als MS Access Datenbank vorliegt, in ein VF1-spezifisches Meta-Modell – hierin sind alle fachlichen und teilweise technischen Zusammenhänge des VF1-Feeds enthalten.
  • Auf Basis dieses VF1-Meta-Modells operiert ein generischer VF1-Konsumptionsprozess, der den semi-struktierten VF1-Datenblock (eine Informationseinheit kann sich über mehrere Datensätze erstrecken) auf ein relationales Target in Key Value Struktur unter Beibehaltung der VF1-Datei-Adressinformation abbildet. Dieser VF1 Cracker basiert auf Informatica PowerCenter.
  • Mapping des VF1-Datenmodells zum Common Model, das als Abstraktion und Konsolidierung des VF1- und Bloomberg-Datenmodells ausgeprägt wurde.
  • Generell wurde bei der Datenmodellierung möglichst mit wartungsarmen Key Value Strukturen gearbeitet. Die instanziierten Objekte werden über ein Common Meta Model beschrieben.
  • Die Konsolidierung der Quelldaten zu einer Golden Copy wurde auch mit Informatica PowerCenter Prozessen verwirklicht. Dabei orientiert sich der automatsiche Konsolidierungsversuch an Grundsätzen von Vertrauen zu Quellen bezogen auf einzelne Felder, Feldgruppen oder Objektarten – bspw. mag WM für inländische Wertpapiere stets maßgebend sein, für ausländische Anleihen ist i.d.R. Bloomberg für diverse Felder die bevorzugte Quelle etc.
  • Das User Interface wird auf Basis eines Message-Brokers mit den Konsoldierungsaufgaben bedient. Die Kommunikation zwischen Backend und Frontend basiert i.W. auf dem webMethods-JMS-Broker und der Informatica PowerCenter-JMS-Konnektivität.

Facts & Figures

  • Implementierungsprojekt des voll funktionsfähigen Prototyps: Umfang 220 PT, 2,5 Monate Laufzeit
  • VF1 Feed Integration, Aufbau eines VF1 Metadaten Repository durch Auslesen der WM VF1-Dokumentation
  • Technik: Oracle, Informatica PowerCenter, JMS, webMethods