Market Maker Performance Measurement 5/5 (1)

Ausgangssituation

Orderbuch-Liquidität ist das zentrale Asset einer Börse, um weiteren Orderflow anzuziehen und weitere Geschäfte zu ermöglichen.

Um eine Grundversorgung in handelbaren Serien am Terminmarkt zu erreichen und ein gewisses Preisbild zeigen zu können, gibt es Market Maker (MM) – Proprietär-Handelsteilnehmer, die auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko handeln.

Ein Market Maker stellt verbindliche, d.h. direkt handelbare Quotes ins Orderbuch. Die hier gestellten Quotes unterscheiden sich daher von indikativen Quotes im Spezialistenmodell am Kassamarkt.

Ein Quote besteht aus einem Kauf- und Verkaufgebot mit einem gewissen Spread; die Orders stehen i.d.R. für eine gewisse Zeit im Orderbuch und stellen somit echte Liquidität dar.

Die zu quotierenden Serien werden um den At-the-Money Strike und entlang der verschiedenen Ausübungstermine ermittelt.

Ein Market Maker verpflichtet sich, Quotes guter Qualität über einen Mindestzeitraum im Orderbuch zu unterhalten. Ein guter Quote erfüllt Mindestanforderungen an die maximale Geld-Brief-Spanne und dem minimalen Quote Volumen.

Es werden Permanent Quotation (PQ) und Quotation on Request (QR) unterschieden: Bei QR wird auf eine systemseitig eingestellte Anfrage für einen Quote geantwortet, bei PQ wird erwartet, dass kontinuierlich Quotes ins Orderbuch eingestellt werden.

Börsentäglich veranlassen Market Maker zwischen 700 bis 1300 Millionen Quote-Transaktionen.

Aufgabenstellung

Berechnung des Zielkorridors der zu quotierenden Serien als sogenanntes Strike Price Window (SPW) – hier soll die Liquidität gebündelt werden

Messung der Quotierungstätigkeit hinsichtlich der Güte der eingestellten Quotes, der Quote-Präsenz und der Wettbewerbsfähigkeit (wie stark hat der Market Maker die Mindestanforderungen verbessert)

  • Hierzu Anwendung der Quotierungsobligationen bestehend aus einer über 50 Parameter umfassenden Spezifikation
  • Ermittlung der Erfüllung der Mindestanforderungen
  • Ermittlung des Überfüllungsgrads der Mindestanforderungen
  • Ermittlung der besten Gesamterfüllung unter Beachtung alternativer Paketerfüllungen
  • Mitteilung der Erfüllung auf Teilnehmer-Paket-Ebene an das Rechnungserstellungssystem SAP R/3 zur Rabattierung der Handelsentgelte
  • Kontinuierliches, tägliches Reporting der detaillierten Performance Ergebnisse an die Market Maker
  • Berichtswesen, das Ad Hoc Analysen und ein regelmäßiges Standard-Reporting erlaubt

Lösung –

Market Maker Performance Measurement

  • Integration der 700-1300 Millionen Quote-Transaktionen direkt vom Handelssystem zu definierten Snapshot-Zeitpunkten
  • Datenintegration und -transformation auf Basis von Informatica PowerCenter
  • Entwicklung eines Verfahrens zur dynamischen Ermittlung von Partitionierungseinheiten, die die abzulegenden Zwischenergebnisse unter fachlichen und technischen Datenverteilungsaspekten optimal für einen gleichverteilten Parallelisierungsansatz im nächsten Schritt vorbereitet.
  • Entwicklung eines Verfahrens zum Time Slicing, bei dem durch Scannen des Datenhaushalts und der theoretsich abgeschätzten entstehenden Mengen in einem Join entschieden wird, ob Quote Intervalle durch weitere zeitliche Schnitte unterteilt werden sollen, um das Problem quadratisch steigender Join-Mengen nur auf lokalen und damit vergleichbar kleineren Ausgangsmengen beherrschbar zu halten (Abschätzung o(n²) ggü. der Summe kleinerer o(n²))
  • Die Konzepte zur Dynamic Partition Routing und Time Slicing wurden so implementiert, dass sie auch in anderen Applikationen universell zu ähnlichen Problemen eingesetzt werden können
  • Reguläres Reporting über das Handelssystem-Netzwerk auf Basis von XML-Reports und mittels eines XSLT-Prozesses hiervon abgeleiteter Ansichts-/ Textversionen dieser Reports
  • Reporting-Komponente auf Basis von MS Analysis Services

Facts & Figures

  • Implementierungsprojekt: Umfang 200 PT, drei Monate Laufzeit
  • 190000 handelbare Serien, die meisten sind Optionsserien mit einem oder mehreren Quotierungsprogrammen
  • Pro Tag ca. 700 bis 1300 Millionen Quote-Transaktionen stellen die Datenbasis dar
  • In weiteren Ausbauphasen wurden Konzepte zur Market Maker Competitiveness-Rechnung implementiert, sowie weitere Arten von Quotierungsformen (Quotierung in Auktionen und Mischformen, alternative Kontraktauswahl vor Lieferzeitpunkten/ Verfallterminen)
  • Oracle, Informatica PowerCenter, XML, XSLT