Hypothetical Market Impact
eXchange Liquidity Measures

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Liquidität an der Börse

Liquidität ist das zentrale Qualitätskriterium einer Börse. Sie beschreibt die Fähigkeit eines Marktes, zusätzliches Kauf- oder Verkaufsinteresse jederzeit, sofort und ohne Auswirkung auf das aktuelle Preisniveau zu befriedigen. Liquidität wird mittlerweile über vier Dimensionen der Marktmikrostruktur definiert:

  • Markttiefe (market depth): In einem tiefen Markt stehen Kauf- und Verkauforder dicht um den aktuellen Marktpreis.
  • Marktbreite (market breadth): Ein breiter Markt weist volumenmäßig hohe Kauf- und Verkaufsorder um den aktuellen Marktpreis auf. So können auch große Order ohne nennenswerte Preisausschläge befriedigt werden.
  • Markterholungsfähigkeit (market resiliency): Ein Markt besitzt eine Markterholungsfähigkeit, wenn nach Preisveränderungen möglichst schnell wieder ein Marktgleichgewicht mit ausreichender Markttiefe und -breite hergestellen kann. DIes kann aufgrund temporärer Orderungleichgewichte auftreten.
  • Immediacy (Sofortigkeit): Kann ein Markt neues Transaktionsinteresse ohne nennenswerten Zeitverzug und bei gegebener Markttiefe und -breite bedienen, so besitzt dieser die Eigenschaft der Sofortigkeit.

Eine Börse hat großes Interesse daran, seine Liquidität kontinuierlich messen und ggf. mit konkurrierenden Märkten vergleichen zu können. Kenntnisse über die Liquidität sind entscheidend für die Produktentwicklung, bieten Einblicke in die tatsächliche Marktmikrostruktur, ermöglichen Marketing für den eigenen Marktplatz und machen Risikobetrachtungen möglich – beispielsweise bei der Liquidierung eines Portfolios im Insolvenzfall.

Aufgabe: Berechnung eines eXchange Liquidity Measures

  • Der eXchange Liquidity Measures (XLM) soll auf den Dimensionen Markttiefe, Marktbreite und Sofortigkeit basierend berechnet werden. Ebenfalls einbezogen werden die Order- und Quote-Transaktionen aus den Handelssystemen als Berechnung der impliziten Transaktionskosten bei Orderausführung.
  • Hierzu werden die Orderbuch-Situationen zu äquidistant verteilten Zeitpunkten rekonstruiert. Das bedeutet die Ermittlung aller zu einem Zeitpunkt gültigen und Orderbuch-wirksamen Order, sowie die Aufbereitung bzw. Aggregation zu einem Orderbuch.
  • Simulation des Eingangs von Immediate-or-Cancel Orders verschiedener Größen auf Kauf- und Verkaufseite
  • Ermittlung der Liquidity Premium (LP) auf Basis der halben Geld-Brief-Spanne und des auf dem ersten Level (Inside Market) ausgeführten Volumens
  • Ermittlung des Adverse Price Movements (APM) auf Basis der weiteren Ausführung der simulierten / hypothetischen Order auf Orderbuch-Leveln unterhalb des Inside Markets
  • Aggregation der relativen Basispunktwerte zum eXchange Liquidity Measures als Summe von LP und APM und Darstellung als Buy-, Sell- bzw. Roundtrip-XLM (eXchange Liquidity Measures)
  • Visualisierung der Ergebnisse
  • Teilweise Zuführung der Ergebnisse in operative Prozesse wie beispielsweise der Definition von Quotierungsanforderungen im Spezialistenmodell

Lösung: XLM durch Datenintegration

  • Datenintegration und -transformation auf Basis von Informatica PowerCenter.
  • Anwendung der Verfahren zur Dynamic Partition Routing und Time Slicing.
  • Berechnung des Order-Lifecycle und der Orderbuch-Situationen (minütliche Snapshots).
  • Berechnung des eXchange Liquidity Measures für den Kassa- als auch Terminmarkt.
  • Verdichtung zu einem aggregierbaren Maß.

Facts & Figures

  • Initiales Implementierungsprojekt: Umfang 50 Personentage
  • Projektdauer: zwei Monate
  • Heute wird das eXchange Liquidity Measures auf Basis von ca. 70 Millionen Order- und Quote-Transaktionen am Kassamarkt und 700 bis 1100 Millionen Order- und Quote-Transaktionen am Terminmarkt berechnet.
  • Technik: Oracle, Informatica PowerCenter

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