Abacus360 – Umsetzung eines Operational Delivery Channels 4/5 (1)

Einleitung

Ein Herausstellungsmerkmal von integration-factory ist die effiziente Bewirtschaftung von Data Warehouses. Innerhalb eines Kundenprojektes wurde auf Basis eines Financial Data Warehouses ein Operational Delivery Channel (ODC) implementiert. ODC werden verwendet, um relevante Datenmengen anderen Konsumenten in konsistenter Form und gleichbleibender Struktur zur Verfügung zu stellen (siehe Abbildung 1).  Dieser Artikel soll hierbei die Umsetzung des ODC am Beispiel Abacus360 beschreiben. Seit Ende Januar 2018 befindet sich das System im produktiven Einsatz bei einer großen deutschen Bank.

Referenzarchitektur
Abbildung 1 – Referenzarchitektur

Ausgangssituation

Banken sind gesetzlich dazu verpflichtet, Meldungen gegenüber der Bankenaufsicht zu erfüllen. Die Meldungen entsprechen hierbei den Bestimmungen nach AnaCredit (Analytical Credit Datasets). AnaCredit ist eine regulatorische Anforderung der Europäischen Zentral Bank (EZB). Banken und Kreditinstitute sind verpflichtet folgende Daten an die jeweilige Zentralbank im Verbund der EZB zu übermitteln:

  • Vertragspartnerstammdaten
  • Kreditstammdaten
  • dynamische Kreditdaten

Das Ziel der EZB ist hierbei der Aufbau einer harmonisierten Datenbasis für die Inanspruchnahme und Vergabe von Krediten, um u.a. eine effektive Markttransparenz sicherzustellen. Finanz- und Wirtschaftskrisen sollen dadurch frühzeitig erkannt und vermieden werden.

Lösungsansatz

Mit dem Kundenprojekt Abacus360 wurde die EZB-Anforderung bei unserem Kunden umgesetzt. Ziel war der Aufbau eines erweiterbaren Systems zur automatischen Ausleitung von geschäftspartnerrelevanten Daten. Diese Informationen sollen in fünf fachlich getrennten XML-Dateien – sogenannte Lieferobjekte – pro Rechtsträger bzw. Steuerungseinheiten der Bank als Konzern ausgeleitet werden. Das System, in das die resultierenden Dateien integriert werden sollen, ist die Meldewesen-Software Abacus360.

Das für die Lieferobjekte zugrundeliegende DWH wird seit mehr als acht Jahren von integration-factory maßgebend entwickelt und betreut. Dieses enthält unter anderem die für die Meldung erforderlichen Daten in historisierter und harmonisierter, konsistenter Form. Die Daten werden anhand fachlicher Transformationsregeln extrahiert. Die Lieferobjekte werden dem Abnehmersystem unter Einhaltung einer definierten XSD-Struktur, im Zielformat XML, zur Verfügung gestellt.

Die Ausführung des ODC erfolgt mittels des Ablaufsteuerungsprogramms UC4 Automation Engine der Firma Automic. Der Einsatz dieser Software ermöglicht die vollautomatisierte Steuerung sämtlicher Aufgaben des DWH.

Der Aufbau der Ablaufsteuerung im Abacus360-Projekt hat sich hierbei am Logical Unit of Work (LUW)-Ansatz orientiert. Darauf aufbauend ist je ein Workflow pro Lieferobjekt entstanden:

Der Ablauf sieht im Allgemeinen wie folgt aus:

 

Abacus360 Ablauf
Abbildung 2 – Schematische Abbildung der Ablaufsteuerung
  1. Scheduling und Abhängigkeitssteuerung: Sync-Point-Ermittlung
  2. ETL-Prozess zur Erstellung der Lieferobjekte in XML-Form
  3. Validierung des Lieferobjekts gegen XSD-Schema
  4. Dateioperationen (zip / copy)

Scheduling und Abhängigkeitssteuerung

Neben Transformationsregeln und Dateiformaten sind bei ODC-Prozessen Liefervereinbarungen zu beachten. Die Ausführung der Verarbeitung geschieht beispielsweise werktags. Dabei erfolgt die Automatisierung mittels Scheduling-Objekten. Diese werden verwendet, um Verarbeitungen zu definierten Ausführungszeiten zu starten. Weiterhin wird sichergestellt, dass die selektierten Daten zum Zeitpunkt der Verarbeitung konsistent sind. Hierbei kommen so genannte Sync-Points zum Einsatz. Diese prüfen in festgelegten zeitlichen Intervallen, ob die notwendigen Verarbeitungen für den jeweiligen Verarbeitungstag erfolgreich abgeschlossen sind. Erst wenn dies der Fall ist, führt die Jobsteuerung die folgenden Aufgaben aus.

ETL-Prozess zur Erstellung der Lieferobjekte in XML-Format

Die Erstellung der Lieferobjekte wird mittels der ETL-Software Informatica PowerCenter umgesetzt. Die Ausleitung der Dateien ist in zwei Schritte bzw. Informatica Workflows aufgeteilt:

ETL Prozess
Abbildung 3 – Schematische Abbildung des ETL-Prozesses

Das DWH beinhaltet qualitätsgesicherte und den fachlich modellierten, harmonisierten Datenhaushalt der Unternehmenssteuerung und damit den optimalen Ausgangspunkt für die Übersetzung in beliebige Zielstrukturen. Im ersten Schritt wird die Grundgesamtheit unter Berücksichtigung fachlicher Vorgaben ermittelt – die sogenannte Extraktion. Es handelt sich hierbei im Wesentlichen um die Selektion von relevanten Stamm- und Bewegungsdaten gemäß eines fachlichen Gültigkeits- und technischen Transaktionszeitpunktes (Zugriff gemäß bitemporaler Modellierung des DWH). Mittels eines fachlichen Anforderungskatalogs werden Datensätze bewertet und schließlich als melderelevant kategorisiert und gefiltert. Aufgrund der harmonisierten Feldwerte im DWH werden für die Ausleitung von Attributen sogenannte Taxonomien verwendet. Diese übersetzen die DWH Attributausprägungen in die Sprache des Zielsystems. Neben Datentypkonvertierungen werden weitere Transformationen auf die Daten angewandt. Hierzu zählen neben diversen Textoperationen auch arithmetische Rechnungen und Fallunterscheidungen.

Die auszuleitenden Felder eines Lieferobjektes sind durch die XSD-Datei vorgeschrieben. Zuletzt werden die Daten in Datenbanktabellen geschrieben und für den Outbound persistiert.

Validierung des Lieferobjektes gegen XSD-Schema

Die erstellten XML-Dateien werden gemäß den definierten strukturellen Vorgaben im XSD validiert. Hierzu wird ein Java-Programm, in Form einer .jar-Datei verwendet, das im Fall invalider Dateien Benachrichtigungsmails an eine konfigurierbare Empfängerliste versendet.

Dateioperationen

Die validierten Files werden anschließend der Zielschnittstelle verfügbar gemacht. Hierzu werden Dateioperationen verwendet, wie z.B. copy, zip und delete. Für einen schnellen Zugriff auf die Dateien, insbesondere für eine durchgängige Nachvollziehbarkeit, werden diese zusätzlich zur langfristigen Archivierung vorgehalten.

Fazit

Mit dem Kundenprojekt Abacus360 ist es integration-factory gelungen, ein generisches und skalierbares System zur Ausleitung verschiedener Lieferobjekte aufzubauen. Aufgrund des generischen Ansatzes sehen die einzelnen Prozesse zur Ausleitung der jeweiligen Lieferobjekte im Kern gleich aus. Im Bedarfsfall ist es ohne großen Aufwand möglich, zusätzliche Lieferobjekte anzubinden und entsprechend an die jeweiligen Steuerungseinheiten der Bank auszuliefern. Hieraus resultiert ein hoher Grad an Nachvollziehbarkeit, Wartbarkeit und Transparenz.

Seit Go-Live im Januar 2018 werden täglich sämtliche Lieferobjekte produziert und in XML-valider Form ausgeleitet, sodass die Meldung erfolgreich gemacht werden kann. Unser Kunde konnte damit den entscheidenden Schritt in Richtung Erfüllung der AnaCredit-Anforderungen machen. Der Outbound-Prozess zählt somit als ein weiteres gelungenes Projekt im Umfeld des Operational Delivery Channels im Leistungsportfolio von integration-factory.